SelbstUmarmung

Das Zulassen unseres Liebeseins

Die beiden sich umarmenden Gestalten im bunten Kirchenfenster verweisen auf das Erwachen in das pure, reiche, erfüllende Liebesein, das wir in Wahrheit jetzt und immer sind.

Die Kompensation unseres Erlebens, nicht selbstverständlich und bedingungslos da sein zu dürfen

Empfindungen wie Kummer, Angst, Verzweiflung, Neid, Wut etc. gehören zur Familie des Nicht-wirklich-ganz-da-sein-Dürfens.

Nicht selbstverständlich und bedingungslos da sein zu dürfen: An dieses Grundgefühl sind wir im gewohnten Personsein gebunden. Eine ganze Reihe von Empfindungen hängen sich daran an. Eine der ersten sind unsere Ängste, aber auch Schuld und Scham: das sogenannte schlechte Gewissen.

So ist es dann bisweilen recht eng im Empfinden von Personsein. Während wir Baby sind, besteht diese Enge noch nicht. Und dass es später so sein muss, steht nirgends geschrieben. Diese Enge lässt sich wieder weiten und sogar lösen: Schritt für Schritt.

Zu diesem Wissen stehen uns Menschen schon recht lange gute Bücher zur Verfügung und seit einer Weile auch gute Begleiter: auch in unserem Kulturkreis. Indessen sind die meisten von uns noch immer an ein kompensierendes, starkes Habenmüssen und den damit verbundenen Raubbau an unserem Blauen Planeten - an wahnwitzigen Wachstum - gebunden.

Der Wandel geschieht von innen

Die Einsicht des Einzelnen im Sinne von "So kann es (mit mir) nicht weitergehen!" kann die Welt verändern. Der Wandel vollzieht sich von innen, nicht von außen. Friede beginnt innen: im Einzelnen, der die menschliche Gesellschaft ausmacht. Wenn er wirklich andere Werte in sich zulässt, geschehen Wunder.

Ein weiser Mann pflegte zum Abschied zu sagen: "Und vergesst nicht: jeden Tag mindestens zwei gute Umarmungen!" Es geht im Menschsein jedenfalls auch um erfahrbare Nähe. Wir wollen und selbst und dem anderen wirklich begegnen können. Wer das aus gutem Grund verlernt hat, will sich absichern; die Kontrolle haben; in seinen Beziehungen geht es immer wieder um Macht, obwohl ein deutliches "Stopp!"-Sagen völlig ausreichen würde. Im Mangel, echte Nähe zu erleben, entsteht ein Streben, das keinen wirklichen Frieden finden kann. Es braucht immer ein nächstes Level nach dem nächsten Level.

Wer bin ich wirklich hinter all meinen Angewohnheiten, meinen Meinungen, meinen wiederkehrenden Empfindungen zu diesem und jenem Thema? Wer bin ich hinter all dem, was ich zu sein glaube? Charles Berner entwickelte das "enlightenment intensiv": Dieses Retreat lädt dazu ein, sich dieser Frage zu stellen. Osho gab uns die dynamische Meditation: ein Rahmen - gute Begleitung vorausgesetzt - damit all das ausgedrückt werden kann, was wir in uns verdrängt haben. Dan Casriel entwickelte das Bonding: den "new identity process".

Der goldene Ring im aufgeschlagenen Notenbuch wirft einen herzförmigen Schatten. Im Verbundensein mit dem wahren, ewigen Selbst erfahren wir die schöpferische Kraft: Wir sind reine, liebevolle Präsenz.

Klarsichtige Selbstannahme bedingt echte Selbstliebe

Keiner von uns ist verkehrt, vielmehr ist jeder richtig. Meint: Wir stehen (weiterhin) in Reaktion auf Situationen, denen wir am Anfang unseres Lebens begegnet sind. Wir stecken nun jedoch in diesem Verhaltensmuster fest: in dem Selbstkonzept, welches sich damals bewährte. Es war wirklich adäquat; genial und richtig; hätte gar nicht anders sein können; und verdient Anerkennung und ein Ganz-in-den-Arm-genommen-Werden, wie es jedem Kind - jedem Neuankömmling auf Erden - gebührt.

Wer dieses Umarmen innerlich leisten kann - zulassen kann - wird augenblicklich in die Stille jenseits des Denkens heimkehren. In diesem totalen Annehmen vergeht die Spaltung. Wir sind der wache Augenblick, der keines konzeptualisierenden Fühlens und Denkens bedarf. Für viele von uns geschieht dies schrittweise: so wie die Ausbildung unserer Fühl- und Denkmuster, die wir zu sein glauben, auch schrittweise geschah.